Fünf Jahre Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

KW Heft 7/26

Fünf Jahre Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Am 14./15.. Juli 2021 erschütterte eine verheerende Hochwasserkatastrophe Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Mehr als 130 Menschen verloren ihr Leben, ganze Regionen wurden verwüstet. Fünf Jahre später widmet sich die aktuelle Ausgabe der „KW Korrespondenz Wasserwirtschaft" in einem Schwerpunktheft der Frage, was seither erreicht wurde und wo weiterhin Handlungsbedarf besteht.

Im Editorial des Heftes reflektiert Prof. Dr. Robert Jüpner (Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft, RPTU Kaiserslautern) über die Lehren aus der Katastrophe. Hochwasserschutz sei eine „Generationenaufgabe" – zentrale Fortschritte, aber auch offene Fragen, zeigen sich in mehreren Beiträgen des Heftes:

  • Retentionspotenziale im Ahr-Einzugsgebiet: Aachener Forscherinnen und Forscher zeigen moderne Modellierungsansätze auf und benennen zugleich die Grenzen technischer Rückhaltemaßnahmen.
  • Wissenschaftliche Begleitung des Wiederaufbaus: Im Interview berichten Holger Schüttrumpf und Jörn Birkmann über das BMBF-geförderte Projekt „KAHR – Klimaanpassung, Hochwasser und Resilienz" (2021–2025), das ein bundesweites Konsortium aus 13 Forschungseinrichtungen und Praxispartnern koordinierte (www.hochwasser-kahr.de).
  • Hochwasservorsorge durch Raumplanung: Thomas Hartmann und B. Ayça Ataç-Studt zeigen, dass in diesem Bereich noch erhebliches Potenzial ungenutzt ist.

Verborgene Schätze heben: Einsatzwissen systematisch dokumentieren

Ein eigener Fachbeitrag von Prof. Dr. Robert Jüpner gemeinsam mit Hans Hoffmann, Mark Bailey, Thilo Weichel, Pol Wirtz und Tobias de Koeijer widmet sich der Frage, wie das wertvolle Erfahrungswissen von Einsatzkräften – Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Wasserwirtschaftsverwaltungen – aus zurückliegenden Hochwassereinsätzen systematisch gesichert und für künftige Ereignisse nutzbar gemacht werden kann.

Anhand von drei konkreten Beispielen zeigen die Autoren, wie improvisationsreich Einsatzkräfte in Extremsituationen agieren mussten, für die es bislang keine Handlungsanleitungen gab:

  • Deichbruch Fischbeck (Elbe, Juni 2013): Eine rund 90 m lange Deichbresche mit ca. 500 m³/s Durchfluss musste durch improvisierte Lösungen – von luftgestützter Vermessung bis zur Versenkung von Schiffen zur Bruchschließung – bewältigt werden.
  • Überströmung der Steinbachtalsperre (Nordrhein-Westfalen, Juli 2021): Extreme Niederschläge von bis zu 180 mm in 48 Stunden führten zur Überströmung des Staudamms; rund 5.000 Personen mussten vorsorglich evakuiert werden.
  • Überströmen des Hochwasserschutzbauwerks Echternach (Luxemburg, Juli 2021): Trotz stationärer Schutzanlage kam es zu großflächigen Überflutungen der Stadt; zahlreiche Einwohner mussten evakuiert werden.

Die Autoren plädieren für ein einheitliches „Lessons Learned"-Konzept, das Einsatzwissen strukturiert vor, während und nach einem Hochwasserereignis erfasst – etwa nach dem Vorbild des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems (TUIS) als dreistufiges Hochwasser-Informations- und Hilfeleistungssystem (HUIS). Erste Ansätze dazu werden im „Forum Hochwasserbewältigung" erarbeitet, in dem die Autoren mitwirken.

Prof. Jüpner betont in seinem Editorial besonders die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz sowie die Notwendigkeit, sich auf künftige Extremereignisse besser vorzubereiten.

Die vollständigen Beiträge zum Download:

KW Heft 7/26