Building Back Better: Wissenschaftliche Begleitung des Wiederaufbaus nach der Flut 2021
Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021 zieht das transdisziplinäre Forschungsprojekt KAHR ("Klimaanpassung, Hochwasser und Resilienz") in einem aktuellen Overview-Artikel in WIREs Water Bilanz. Der Beitrag – mitverfasst u. a. von Prof. Robert Jüpner – zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse den klimaangepassten Wiederaufbau in den besonders betroffenen Regionen Ahrtal (Rheinland-Pfalz) und Inde/Vicht (Nordrhein-Westfalen) unterstützt haben.
Das KAHR-Konsortium, bestehend aus 13 Partnern aus Hydrologie, Wasserbau, Raumplanung und Sozialwissenschaften, wurde bereits 3,5 Monate nach der Flut ins Leben gerufen. Grundlage der Arbeit ist ein erweitertes "Building Back Better" (BBB)-Rahmenwerk mit vier Säulen:
- Schnelle Schadens-, Akteurs- und Bedarfsanalyse – u. a. mittels Fernerkundung und Textanalyse-Tools; die detaillierte Auswertung der Todesfälle zeigte, dass rund 49 % (NRW) bzw. 75 % (RLP) der Opfer außerhalb ausgewiesener Extremhochwasser-Zonen starben.
- Gemeinschaftliche Erholung – Haushaltsbefragungen ergaben erhöhte PTBS-Raten (bis zu 28 %) unter Betroffenen; zudem wurde die zentrale Rolle sozialer Infrastrukturen (Schulen, Vereine, Nachbarschaftsnetzwerke) für die Bewältigung untersucht.
- Risikobewertung und -reduzierung – Neue Hochwassermodellketten für Ahr-, Erft- und Rureinzugsgebiet lieferten aktualisierte Bemessungswerte und flossen direkt in die Masterpläne von NRW und RLP ein.
- Governance-Umsetzung – Analyse neuer Institutionen (z. B. Aufbaugesellschaften), des Bundesraumordnungsplans Hochwasserschutz sowie der Wissenschafts-Politik-Schnittstelle.
Als Fazit hält der Artikel fest: KAHR hat gezeigt, dass eingebettete Forschung während der Wiederaufbauphase wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen übersetzen kann – von der Gebäudeebene bis zur Einzugsgebietsplanung. Gleichzeitig bleibt der rechtliche Rahmen (Wiederaufbaufonds) eher auf Wiederherstellung des Status quo ausgerichtet, ohne klimaangepasste Maßnahmen verbindlich vorzuschreiben.
Der Beitrag ist Open Access verfügbar unter: https://doi.org/10.1002/wat2.70084
